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MATERIELLES WOHLERGEHEN UND SITTLICHKEIT

Frieden und Glück in der Welt können nicht dadurch entstehen, dass nur materielle Bedürfnisse erfüllt werden. Lediglich materielle Bedürfnisse zu befriedigen, führt zu einem Extrem, dem Extrem von Stolz und Gier. Nur mentale Bedürfnisse zu erfüllen, führt zum Extrem der falschen Sichtweise. Werden beide Extreme vermieden, kommt Glück in der Welt zustande.

Wenn Taten zur Förderung des materiellen Wohlergehens in der Welt nicht die Sittlichkeit zum Positiven verändern, verstärken sie nur die Gier nach Macht, Ehre und Ruhm. Wenn einfache Menschen zu materiellem Reichtum kommen, werden sie von Eitelkeit und Stolz überwältigt. Deshalb wird gesagt, wenn der materielle Fortschritt der Welt gefördert wird, ohne zuerst eine moralische Basis zu schaffen nehmen Stolz, Gier und Eitelkeit zu.

Moralisch schwache Menschen verhalten sich auf eine bestimmte Weise, wenn sie arm und unbedeutend sind, und auf eine andere Weise, wenn sie reich sind, geehrt und respektiert werden. Wenn der Erwerb von Reichtum nicht mit moralischer Zurückhaltung geschieht, wird eine Person ausgeprägten Stolz entwickeln. Wenn ein Mensch seinen Stolz nicht mit moralischer Stärke, die auf standhafter Achtsamkeit beruht, zügeln kann, dann ist sein Leben ruiniert und wertlos.

Wenn materielle Güter in grösserem Umfang produziert werden als für die Verwirklichung des Glücks notwendig ist, wird dieses Ziel nicht erreicht und die Welt wird darunter leiden.

Man kann niemals genug tun, um perfekte Sittlichkeit zu erreichen - davon wird es nie zu viel geben. In gleichem Masse wie die Sittlichkeit sich entwickelt, wird auch der Mittlere Weg begehbarer. Dies wird auch bei grossen Anstrengungen zur Förderung des materiellen und mentalen Fortschritts nicht in ein Extrem führen. Der Fortschritt wird innerhalb des Rahmens des mittleren Pfads stattfinden. In diesem Fall profitieren sowohl der Einzelne als auch die Welt als Ganzes.

Intellektueller Fortschritt durch Lernen führt auch nicht zu wahrem Glück. Nur Wachstum in wahrem Verstehen führt zum Glück. Darum sagte der Buddha im Kapitel über Veranjā im Pārājika:

Warte, Sāriputta, der Tathāgata wird die richtige Zeit hierzu kennen. Der Lehrer legt keine übungsregeln für seine Schüler fest oder rezitiert die Pātimokkha-Regeln, bevor ein entsprechendes Vergehen im Sangha vorgekommen ist. Und sie erscheinen nicht, bis der Sangha lange bestanden hat, grosses Ausmass oder grosses Wissen erlangt hat.

The Book of Discipline I S. 18f.

Nur Wissen, das sich von schlechten Taten und Verunreinigungen befreit, wird Weisheit, Einsicht (Pannā) genannt. Eine Person mit grossem Verständnis wird nicht versuchen, sich selbst zu bevorteilen. Ihr Hauptziel wird das Wohlergehen der Welt sein. Nicht auf Selbstnutzen abzuzielen, ist ein Zeichen von Mitgefühl und die Grundlage einer Handlungsweise, die als Perfektion gilt, Pāramī. Das Wohlergehen der Welt an erste Stelle vor dem eigenen Wohlergehen zu setzen, entspricht der Fähigkeit, die Habgier mit der Wurzel auszureissen. Die Vernichtung der Gier ist das Symbol der Weisheit. Wer die Gier besiegt, besiegt die Welt. Eine Handlung kann nur als Perfektion (Pāramī) gelten, wenn sie auf den Qualitäten von Mitgefühl und Weisheit beruht. Dies sind die beiden Eigenschaften, auf denen alle Handlungen zukünftiger Buddhas beruhen.

Hat ein Mensch Mitgefühl für die Welt, findet er Gefallen daran, Taten für das Wohlergehen der Welt auszuführen. Wenn ein Mensch Weisheit hat, findet er Gefallen daran, Taten für das überirdische Wohlergehen der Wesen der Welt auszuführen. Dazu muss er die Wesen ohne Unterscheidung betrachten. Er braucht nur menschliche Wesen zu sehen, nicht Männer, Frauen, Inder, Chinesen, usw. Deshalb streben wirklich edle Menschen danach, ohne Unterscheidung zu sehen.

Zusammengefasst aus The Buddha von U Shwe Aung (Yangon, 1996)