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Rechte Rede ist immer wahrhaftig und bringt grossen Nutzen


Bevor sich U Hla Htun nachts in seinem kleinen Zimmer hinter der Dhammahalle schlafen legte, nahm er erneut die fünf Gebote und rezitierte dann die Parittas (Metta Sutta und Mangala Sutta) solange bis er dann murmelnd einschlief. Als wir ihn fragten, warum er die Gebote jede Nacht nehme, antwortete er, dass er sich jeweils ganz sicher war, vier Gebote nicht gebrochen zu haben; doch wegen des fünften, Rechte Rede, sei er sich nicht sicher. Man redet während eines langen Tages so viel, ohne die ganze Zeit geistig völlig achtsam zu sein.

Wir befragten den Ehrwürdigen Sayadaw U Pavara über das Gebot der Rechten Rede. Er antwortete, dass dieses Gebot aus vier Teilen besteht, vier zu vermeidende verbale Handlungen:

1. Ich werde darauf verzichten zu lügen.

2. Ich werde mich Zwietracht säender Rede und falscher Anschuldigung enthalten.

3. Ich werde auf harsche und verunglimpfende Rede verzichten.

4. Ich werde mich frivoler Rede enthalten.

Der Sayadaw sagte, dass alle vier Teile gleich bedeutend seien und dass der Buddha nie eine der vier Arten falscher Rede als schlimmer oder als schwieriger einzuhalten hervorgehoben hatte. Das Gleiche gilt auch für die Fünf Gebote.

Im Unterschied zu anderen Religionen, die nur das Lügen als falsche Rede auffassen, wird nach den Lehren des Buddha dieses moralische Gebot auch dann gebrochen, wenn es um eine der anderen drei Arten falscher Rede geht. Wenn jemand schreit und andere verunglimpft, hat er das Gebot gebrochen und soll es wieder nehmen, so wie U Hla Htun dies jeden Abend tat. Herumschreien ist genauso schlecht wie Lügen oder Zwietracht säende Rede. Wenn eine Person dies nicht versteht, so wird sie dieses moralische Gebot regelmässig und unkontrolliert brechen, so dass sie kein Samadhi erlangen kann. In Burma wachsen Kinder in diesem Verständnis auf, was mit ein Grund ist, weshalb Sayagyi an seinem Zentrum das Edle Schweigen während der Kurse nicht vorschreiben musste.

Der berühmte burmesische Sayadaw U Janakabhivamsa nennt einige weitere Einzelheiten zu diesem Gebot:

1. Lügen: Wenn jemand die Absicht hat zu täuschen und eine Lüge ausspricht, ist das Gebot gebrochen. Nach den Ausführungen der Kamma-patha ist es für die karmische Wirkung erheblich, ob andere die Lüge glauben. Ist dies nicht der Fall, wird die Kamma-patha nicht erfüllt. Auch wenn andere die Lüge glauben, aber dadurch keinen Schaden nehmen, ist die Kamma-patha nicht erfüllt.

2. Entzweiende Rede: Rede, die Zwietracht sät, zerstört Harmonie und Freundschaft zwischen Menschen. Das Motiv kann darin bestehen, Menschen gegeneinander aufzubringen oder die Zuneigung einer Person zu gewinnen, indem die Zuneigung zu einer anderen Person zerstört wird.

3. Grobe Rede: Grobe Rede wie zum Beispiel Herumschreien und Verunglimpfen ist unangenehm und unangemessen. Selbst wenn Rede wohlklingt, aber von Übelwollen geprägt ist, handelt es sich um grobe Rede. Wenn zum Beispiel ein Richter die Todesstrafe mit einem Lächeln im Gesicht und freundlichen Worten ausspricht, ist es dennoch grobe Rede, weil die Absicht von grausamer Natur ist. In den Kommentaren steht, dass wenn Eltern oder Lehrer widerspenstige Jugendliche anschreien um diese zurechtzuweisen, es nicht grobe Rede ist. Allerdings, wenn sie sich vorübergehend erzürnen, ist für den betreffenden Moment das Gebot gebrochen.

4. Frivole Rede: Im Wesentlichen bricht man das Gebot nur wenn man über unangemessene falsche Dinge spricht, die das Wohlergehen und Glück von Menschen zerstören. Wenn man über falsche Dinge spricht, um ein Argument zum Wohle anderer zu untermauern ist es nicht frivole Rede. Spricht man über falsche Dinge, um ein Beispiel zu nennen, das anderen nützen soll, so gilt dies nicht als frivole Rede.

Wenn wir gutes Samadhi anstreben, sollten wir uns jederzeit dieser vier Arten falscher Rede bewusst sein.


(1) "Course of action" (Nyanatiloka, Buddhistisches Wörterbuch: "Wirkensfährte"), die zehnfachen kürperlichen, verbalen und psychisch heilsamen Handlungen sowie die zehnfachen körperlichen, verbalen und psychisch unheilsamen Handlungen.